von Gabriele Gawlich
Ich habe mich mal mit der Frage auseinandergesetzt: Gibt es mehr betroffene Mädchen oder mehr betroffene Jungen?
Christian hat ja in der Pressekonferenz zum Runden Tisch deutliche Worte gesagt.
Ich persönlich glaube, dass es viel zu wenig belastbare Zahlen gibt, um sich da klar festlegen zu können. Da ist Grundlagenforschung nötig. Wobei wir beim eigentlichen Problem sind. Alle möglichen Leute stellen Forderungen aus ihrem persönlichen Glauben heraus, ohne ausreichendes Hintergrundwissen.
Wirksame Prävention können wir aber nur entwickeln, wenn wir das richtige Werkzeug benutzen. So wie wir im Garten das Unkraut nicht mit der Dampfwalze jäten, sind manche Forderungen (z B. nach Abschaffung des Patriarchats) wenig zielführend.
Mich erinnert die Diskussion ein wenig an die, die ich in manchen Selbsthilfegruppen oder Internetgruppen verfolgt habe: Dort wird manchmal die Frage ausdiskutiert, wer ist das opferigste Opfer? Wer hat am meisten gelitten? Und wenn das geklärt ist und feststeht, wer die Krone der Opferigkeit tragen darf, dann steht auch fest, dass diese/r König/Königin zu bestimmen hat, was die Welt zu tun hat.
Das ist müßig und führt uns nicht weiter. Wir sollten uns nicht gegeneinander ausspielen lassen. Es gibt weibliche und männliche Betroffene. Zeitweilig standen die weiblichen im Fokus. Wir sind sozusagen die Wegbereiterinnen. Das war eine wichtige Phase. Jetzt erkennt man, dass es viel mehr männliche Betroffene gibt, als man vermutet hat. Auch ich anerkenne das.
Die Forderung, die sich für mich daraus ergibt, ist, flächendeckende Beratungsstellen für männliche, weibliche und trans-/intersexuelle Betroffene. Das wäre ein brauchbares Werkzeug.
Das andere ist, was sind die Ursachen. Und ich glaube, da machen es sich die Frauen etwas leicht, wenn sie sagen, das Patriarchat ist die Ursache – und sexuelle Gewalt ist Machtmissbrauch. Da wird die Struktur mit dem Täter verwechselt. Der/die Täter/in benutzt patriarchalische Strukturen, wie er/sie auch nicht-patriarchalische Strukturen nutzt (siehe Odenwaldgymnasium oder 68er Bewegung). Er/sie manipuliert. Die Ursachen für sexuellen Missbrauch sind multifaktoriell.
Und solange wir uns in so müßigen Grabenkämpfen ergehen und nur die Struktur sehen, werden wir Missbrauch nie erfolgreich verhindern. So strukturbildende Phänomene wie Deprivation, Separierung, Depersonalisierung, Entmenschlichung des Kindes werden überhaupt nicht betrachtet. Diese sind geschlechtsunabhängig. Da müssen wir die passenden Werkzeuge entwickeln, damit die Prävention wirklich greift.
So sehe ich das.
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Hallo, bin gerade auf Ihre Seite gestoßen und muss hier Einiges loswerden – wenn ich darf.
Ich bin sehr für Kinderrechte, weiß allerdings, dass einige Pädosexuelle dies zum Anlaß nehmen, in Einklang mit einer sexualwissenschaftlichen Minderheit (Eltern sollten über die Sexualität ihres Kindes bestimmen dürfen, solange keine Verletzungen einhergehen, wie sie über den Religionsbesuch ihres Kindes entscheiden), dies als Legitimierung von inzestuösen und pädosexuellen Beziehungen zu verwenden.
Es scheint eine große europäische Kampagne zu geben, “veraltete” gesellschaftliche Sexualnormen abzuschaffen. Beispiele: Schweiz: Strafbarkeit von Inzest bei konsensualen Adulten abzuschaffen (mir stellt sich die Frage, warum eine 18 jährige Frau mit ihrem Vater ins Bett gehen sollte, wenn davor nie etwas gewesen war) Beispiel: Kroatien: Inzestuöse Beziehungen generell straffrei zu stellen.
Ich kann es nicht mehr lesen, was auf wikipedia und anderen online-enzyklopädien propagiert wird. Hier treffen Normierungen, Wertungen aufeinander, werden “Diplomarbeiten” als Belege dafür ausgegeben, dass wissenschaftliche Standards falsch sind. Es ist unfassbar. So habe ich vor einigen Jahren unter der Rubrik “Kultur” als ersten Bereich “BDSM” gefunden.
Das grundsätzliche Problem, das ich sehe, ist, dass zu viele Interessensgruppen, auch beim DSM V mitwerkeln um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Immer mit der gleichen, postmodernen Argumentationsstruktur, von PC über Toleranz. Dies wird uns noch einmal das Genick brechen.
Was genau ist daran so schlimm, wenn “die Frauen” die Abschaffung des Patriarchats fordern? Heutzutage werden oft missbrauchte Jungs nochmals dazu missbraucht, um (männliche) Homosexuelle zu diskreditieren. Auch eine Auswirkung des Patriarchats. Genauso wie die Tatsache, dass über Missbrauch an Intersexuellen so wenig bekannt ist. Insofern wundere ich mich wirklich, warum Sie die Forderung “der Frauen” nach Abschaffung des Patriarchats für unnötig halten.
Sie missverstehen mich, ich finde nichts Schlimmes daran, die Abschaffung des Patriarchats zu fordern. Darum ging es in meiner kleinen Parabel nicht. Ich habe Achtung und Respekt vor jedem/r, der/die zu ihren/seinen Überzeugungen steht. ich wollte nur mal auf einen mehr pragmatischen Blick bei der Missbrauchsprävention hinweisen. Es kann ja sein, dass die Befürworter/innen irgendwann einmal erreicht haben, dass die Gesellschaft anders ist als heute. Wenn dann wieder die Regeln des Matriarchats gelten, werden wir eventuell erleben, dass unter den Tätern mehr Frauen als Männer zu finden sind. Dann haben sich nur die Vorzeichen geändert. Die Geschichte der Emanzipationsbewegungen (ich meine nicht nur die Frauenbewegung, sie ist nur eine von vielen Emanzipationsbewegungen) zeigt, dass diese immer dann versagten, wenn sie begannen zu exkludieren (d. h. Bevölkerungsgruppen oder -teile auszuschließen). Auch die sich jetzt formierende Emanzipationsbewegung der Betroffenen von sexualisierter Gewalt neigt dazu sich zu zersplittern, andere auszuschließen. Wenn wir das zulassen wegen irgendwelcher Ideologien, werden wir scheitern. Uns verbindet doch vielmehr, als uns trennt – das wollte ich mit meinem kleinen Märchen ausdrücken. Auch kleine Schritte, sind Schritte. Irgendwann erreichen wir vielleicht unsere Träume – meiner ist, den Missbrauch (durch Männer oder Frauen) einzudämmen und eine Gesellschaft zu schaffen, die den Betroffenen zur Seite steht. Ich habe Respekt vor Ihrem Traum, Sie auch vor meinem?