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Jahresendnewsletter

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Unterstützerinnen und Unterstützer
und Freundinnen und Freunde von MOGiS e.V.!

Das Jahr 2014 war für MOGiS e.V. und all unsere Freunde und Mitstreiter in Deutschland und der Welt wieder ein ereignisreiches Jahr.

Ein Meilenstein war es, beim Wissenschaftlichen Symposium „Genitale Autonomie: Körperliche Unversehrtheit, Religionsfreiheit und sexuelle Selbstbestimmung – von der Theorie zur Praxishttp://genitale-autonomie.de/ den aktuellen Wissensstand zum Thema der genitalen Selbstbestimmung zu präsentieren und die Ergebnisse für die Öffentlichkeit leicht zugänglich dokumentieren zu können.

(Seit Juni sind alle Vorträge dieses Symposiums als Videos unter: http://genitale-autonomie.de/videos-der-vortraege/ auch online abrufbar.)

Wir danken unserem Partner pro familia NRW, den Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern und allen, die es ermöglichten, dass am 6. Mai das Symposium an der Universität Köln stattfinden konnte.

Am 7. Mai anlässlich des zweiten Jahrestages der Verkündung des “Kölner Urteils” wurde der “Weltweite Tag für genitalen Selbstbestimmung” (“Worldwide Day of Genital Autonomy” ) mit Unterstützung von diesmal schon 25 Organisationen aus sieben Ländern und drei Kontinenten in Köln begangen. Auch hier geht unser Dank an alle Teilnehmer und Unterstützer und besonders die Ausrichter der gleichzeitigen “Partner”-Demonstrationen in aller Welt. http://genitale-selbstbestimmung.de & http://genital-autonomy.de

Ein Vertreter von MOGiS e.V. nahm im Sommer in den Boulder/USA an der Genital Autonomy Conference teil, bei der Referentinnen und Referenten aus aller Welt zu den Themenfeldern Genitalverstümmelungen an Mädchen und Frauen, Jungen und Männern und intersexuellen Menschen Fachvorträge hielten. http://www.genitalautonomy2014.com/

MOGiS e.V. baut Tätigkeit in Netzwerken für Kinderschutz und Männerperspektiven aus

MOGiS wurde im Jahr 2014 Mitglied zweier weiterer wichtiger Netzwerke. Zum einen im Bundesforum Männer, einem Interessenverband für Jungen, Männer und Väter, und in der National Coalition – dem deutschen Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention.

In allen uns zugänglichen Netzwerken werben wir für die Wahrnehmung von Betroffenen von Eingriffen in die sexuelle Selbstbestimmung und ein Bewusstsein für die Diskriminierung von Jungen und Männern in Bezug auf ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und körperliche Unversehrheit.

Am 12. Dezember jährte sich zum zweiten Mal der Beschluss des sogenannten “Beschneidungsgesetzes” §1631d BGB, das Vorhautamputationen an Jungen aus jeglichem Grunde erlaubt und ins Elternrecht der Personensorge einzuordnen versucht.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung mit dem BVKJ – Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, (I)NTACT, TERRE DES FEMMES und pro familia NRW haben wir auf die eklatanten Auswirkungen des Gesetzes und die damit einhergehende Entwürdigung der Jungen und negativ betroffenen Männer hingewiesen. http://mogis-verein.de/beschneidungsgesetz-verletzt-kinderrechte/

Das Bundesforum Männer hat anlässlich dieses Jahrestages die Debatte zum Thema wieder aufgenommen. Auf ihrer Homepage finden sich Darlegungen verschiedener Positionen, darunter auch eine Stellungnahme von MOGiS e.V. http://www.bundesforum-maenner.de/2014/12/2-jahrestag-zum-gesetz-zur-beschneidung-von-jungen/

Aussichten

Das Ziel, alle Kinder unabhängig von Geschlecht und Herkunft in ihren Rechten auf genitale Autonomie zu schützen, erfordert eine fundierte und sachliche Diskussion, einen breiten gesellschaftlichen Dialog und am Ende vor allen Dingen einen langen Atem.

Im kommenden Jahr möchten wir unsere Arbeit für die Kinderrechte auf allen für uns erreichbaren Ebenen fortsetzen und – nach Möglichkeit – auch ausbauen.

Dazu gehört vor allem das Vertreten unserer Themengebiete in die erwähnten Netzwerke und natürlich wieder die Ausrichtung des “Weltweiten Tages für genitalen Selbstbestimmung” am 7. Mai in Köln.

MOGiS e.V. braucht Ihre Hilfe! Geben Sie mit Ihrer Spende Betroffenen eine Stimme!

Im Moment brauchen wir ehrlicherweise mehr Mitstreiter, auch und vor allem Spender und Fördermitglieder um unsere Arbeit aufrecht zu erhalten.

Spenden sind einfach möglich unter https://mogis-verein.de/spenden

Mit einer Fördermitgliedschaft unterstützen Sie uns dauerhaft, das Formular zum Ausdrucken befindet sich unter: https://mogis-verein.de/Foerdermitgliedschaft.pdf

Jeder – besonders jeder regelmäßige – Betrag hilft und fließt direkt in unsere Arbeit für die Rechte von Kindern und die Vertretung von Betroffenen.

Sollte Sie nicht spenden wollen oder dazu nicht in der Lage sein: Bitte verlinken Sie uns und sprechen Sie diese Themenfelder in Ihrem Umfeld an!

Ihnen und Ihren Familien und Freunden wünschen wir Frohe Festtage und einen Guten Rutsch in ein Gesundes Neues Jahr 2015 – in ein erfolgreiches Jahr 2015 für die Rechte des Kindes – hier und weltweit!

Ihr MOGiS e.V. – Eine Stimme für Betroffene

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Neue Publikationen

2014 war auch ein Jahr wichtiger Publikationen:

Mit “Die Beschneidung von Jungen – ein trauriges Vermächtnis” gab Prof. Matthias Franz, Referent des Symposiums “Genitale Autonomie”, einen umfassenden Sammelband mit Beiträgen aus allen relevanten Perspektiven heraus. Damit ist erstmals der aktuelle Wissensstand zum Thema schriftlich dokumentiert. Eine unschätzbar wichtige Quelle für jegliche sachlich fundierte Auseinandersetzung. Unser Dank geht an Professor Franz und alle weiteren Autorinnen und Autoren dieses Buches! -> http://www.v-r.de/de/title-0-0/die_beschneidung_von_jungen-1011073/

Kurz darauf erschien ein englischsprachiges Buch mit Berichten von Vorhautamputationen negativ betroffener Männer: “Unspeakable Mutilations – Circumcised Men speak out”. Hier sprechen fünfzig Männer über ihre intimste Erfahrungen und Leid. http://www.amazon.de/Unspeakable-Mutilations-Circumcised-Men-Speak/dp/1495266575

Zum Jahresende wurde Wissensammlung “Das große Zirkumpendium” -> http://zirkumpendium.de, von Stefan Schritt im Frühjahr 2013 herausgegeben, nun auch in englischer Sprache online frei verfügbar:  http://www.circumpendium.de Ein herzlicher Dank dafür an Stefan Schritt!

Erstes professionelles Beratungsangebot für beschneidungsbetroffene Jungen und Männer

Aus einer Zwangsbeschneidung können physische und psychische Probleme resultieren, für die Betroffene weit mehr Hilfe benötigen als Internetforen oder der Austausch unter Betroffenen leisten können. Deshalb begrüßen wir ausserordentlich, dass mit dem Jungenbüro Nürnberg die erste professionelle Beratungsstelle in Deutschland ein Angebot für beschneidungsbetroffene Jugendliche entwickelt hat: http://www.jungenbuero-nuernberg.de/schon-gewusst/

Leider werden die Gegner der Rechte des Kindes auf sexuelle Selbstbestimmung nicht müde, nichttherapeutische Vorhautamputationen und ihre Folgen für die Betroffenen zu bagatellisieren. Ein trauriger erneuter Versuch, diese Menschenrechtsverletzung legitimieren zu wollen, ist die aktuelle Ausstellung “Haut ab!” des Jüdischen Museums in Berlin und ihr Begleitprogramm sowie der darauf – von einer Ausnahme abgesehen – fast einhellig oberflächlich und bar jeder kritischen Hinterfragung bleibende Tenor der Medienlandschaft.

Eine Rezension dieser Ausstellung unseres Vorstandsmitglieds Victor Schiering finden Sie im Blog der Frankfurter Rundschau unter: http://frblog.de/traurige-allianzen/

#Helfen :)

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Jahrestag: Beschneidungsgesetz verletzt Kinderrechte

Pressemitteilung von MOGiS e.V., BVKJ – Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, TERRE DES FEMMES, (I)NTACT und pro familia NRW vom 12.12.2014

Zum zweiten Jahrestag der Verabschiedung des „Beschneidungsgesetzes” werben Ärzte- und Kinderrechtsverbände für gleichen Schutz aller Kinder in ihren Rechten auf körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung. Am 12.12.2012 legalisierte der Deutsche Bundestag medizinisch nicht indizierte Vorhautentfernungen („Beschneidungen”) an minderjährigen Jungen aus jeglichem Grunde als Teil der elterlichen Personensorge in §1631d BGB.

Zum zweiten Jahrestag dieses Gesetzesbeschlusses protestieren erneut:

  • MOGiS e.V. – „Eine Stimme für Betroffene”
  • BVKJ – Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.
  • TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V.
  • (I)NTACT – Internationale Aktion gegen die Beschneidung von Mädchen und Frauen e.V.
  • pro familia NRW

Sie fordern:

  • Rücknahme von §1631d BGB und damit Wiederherstellung des uneingeschränkten Rechtes des Kindes auf eine gewaltfreie Erziehung
  • Einhaltung und Umsetzung der Kinderrechtskonvention Art 24 Absatz 3 (Abschaffung schädlicher Bräuche) für alle Kinder unabhängig von Geschlecht und Herkunft
  • Hilfen und Entschädigung der Betroffenen für die mit § 1631 d BGB verlorenen Rechte
  • männliche Todesopfer und schwerverletzte Jungen durch rituelle Vorhautentfernungen weltweit (insbesondere in Afrika) dürfen von den internationalen Hilfsorganisationen nicht weiter ignoriert werden

Victor Schiering, Koordinator des Facharbeitskreises Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V. und Mitglied des Vorstandes von MOGiS e.V. – „Eine Stimme für Betroffene”: „Das Urteil des Kölner Landgerichts vom Mai 2012 sprach erstmals auch Jungen das Recht auf körperliche Unversehrtheit an ihrem Genital zu. Dies machte vielen Betroffenen Mut, endlich offen über ihre geheimen Leiden sprechen zu können. Auch zwei Jahre nach der daraufhin erfolgten gesetzlichen Erlaubnis von Zwangsbeschneidungen suchen immer mehr Betroffene Rat und Hilfe. Wir begrüßen, dass endlich erste professionelle Angebote durch Beratungsstellen und Fachärzte für Betroffene von Vorhautamputationen entstehen. Wir fordern den Gesetzgeber auf, die Diskriminierung von Jungen zu beenden und das Recht auf körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung für alle Kinder zu verteidigen.”

Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des BVKJ – Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: „Gesetzgeber und Gerichte interpretieren z.B. das Recht auf körperliche Unversehrtheit, die Bestimmung in Art. 3, Abs. 3 und in Art. 4 so, dass minderjährige Knaben hier nur ein eingeschränktes Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit haben und gemäß § 1631d BGB ihnen auch ohne medizinische Indikation allein auf Wunsch der Eltern die männliche Vorhaut (Praeputium) komplett sogar von medizinischen Laien entfernt werden darf. Jungen haben durch diese Gesetzgebung im Gegensatz zu Mädchen kein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Dies ist nicht hinnehmbar. Die männliche Vorhaut ist keine angeborene Fehlbildung, die chirurgisch korrigiert werden müsste. Die männliche Vorhaut ist ein Teil des Hautorgans und erfüllt wichtige Funktionen zum Schutz der sehr empfindlichen Eichel. Sie bedeckt normalerweise die Eichel und schützt sie so vor Schadstoffen, Reibung, Austrocknung und Verletzungen. Die Vorhaut dient als Verbindungskanal für zahlreiche bedeutende Venen. Die Beschneidung kann zur erektilen Dysfunktion beitragen, indem sie diese Blutleitungen zerstören kann. Ihre Entfernung kann, wie die Schilderungen vieler Betroffener zeigen, zu erheblichen Einschränkungen des sexuellen Erlebens und zu psychischen Belastungen führen. Keine Religion hat das Recht, zu verlangen, dass Eltern ihren minderjährigen und nicht entscheidungsfähigen Knaben einen Teil ihrer intakten Körperoberfläche entfernen lassen müssen, damit die Kinder in die Religionsgemeinschaft aufgenommen werden können.”

Renate Bernhard, pro familia NRW/Dokumentarfilmerin zu weiblicher Genitalverstümmelung: „Diverse Stellungnahmen nationaler und internationaler Ärzteschaften betonen die Bedeutung der männlichen Vorhaut. Sie verweisen auf die Existenz von Vorhautverklebungen und Verengungen bis ins Jugendalter (natürliche Phimosen) und widerlegen die immer noch weit verbreitete Ansicht, Phimosen seien am besten mit einer Beschneidung zu behandeln. Die Zirkumzision ist ein schwerwiegender chirurgischer Eingriff mit irreversiblen körperlichen und mitunter auch seelischen Folgen. Sie sollte deshalb nur in medizinischen indizierten Notfällen vorgenommen werden. Mit Rücksicht auf die Religionsgemeinschaften hat der Gesetzgeber in §1631d BGB Sorgeberechtigten ganz allgemein und damit sehr verharmlosend erlaubt, in die Beschneidung von Jungen einzuwilligen. Aus hygienischen oder gar ästhetischen Gründen sollte nach heutigem Stand keine Zirkumszision mehr erlaubt werden. Wir fordern staatlich geförderte Aufklärung über die Folgen von Vorhautbeschneidungen und die Beachtung des Gleichheitsgrundsatzes (Artikel 3 Grundgesetz): Genitalverstümmelungen an Mädchen, die früher auch mit Religion und Tradition begründet wurden, sind 2013 endlich verboten worden. Jungen sollte das gleiche Recht zugestanden werden.”

Christa Müller, Vorsitzende von (I)NTACT e.V.: „Nur ein dreiviertel Jahr nach der gesetzlichen Erlaubnis der Amputation der männlichen Vorhaut von Minderjährigen wurde das Verbot der weiblichen Genitalverstümmelung mit dem neuen § 226 a des Strafgesetzbuches ausdrücklich unter Strafe gestellt. Mit ihm sollte klar gemacht werden, dass alle Formen der weiblichen Genitalverstümmelung unter keinen Umständen erlaubt sein dürfen, auch die weniger schweren. Nun empfiehlt der 70. Deutsche Juristentag vom September dieses Jahres der Politik, den § 226 a geschlechtsneutral zu fassen. „Die Genitalverstümmelung bei männlichen Personen, welche in der Intensität über die traditionelle Beschneidung hinausgeht” soll nun im selben Paragraphen verboten werden. Die traditionelle Beschneidung von Jungen soll dagegen weiterhin erlaubt bleiben. Soweit die deutschen Juristen. Wer will jedoch festlegen, wie viele Quadratzentimeter Vorhaut traditionell abgeschnitten werden dürfen? Wer will die Einhaltung der „erlaubten” Quadratzentimeter überwachen? Und noch viel grundlegender: Warum darf man Jungen einen solchen Eingriff zumuten und Mädchen nicht? Diese Fragen bleiben von den Juristen unbeantwortet. Es kann auch keine vernünftigen Antworten darauf geben. Absurder geht es kaum. Es sei denn, man erlaubt die weniger invasiven Formen der traditionellen weiblichen Genitalverstümmelung entsprechend. Die mehr als fragwürdigen Empfehlungen des Deutschen Juristentages vergrößern somit die Gefahr erheblich, dass die weibliche Genitalverstümmelung in Deutschland erlaubt wird. Die Lösung dieses Dilemmas kann nur sein, dass weder Mädchen noch Jungen in Deutschland – und möglichst auf der ganzen Welt – aus welchem Grund auch immer beschnitten oder an ihren Genitalien verstümmelt werden dürfen.”

Rezension: Traurige Allianzen

Noch bis zum März 2015 ist im Jüdischen Museum Berlin die Ausstellung “Haut ab! Haltungen zur rituellen Beschneidung” zu sehen.

Ausstellung im JM Berlin

Der Tenor der zahlreichen medialen Berichterstattung preist geradezu einmütig einen angeblich hohen Wert der Themenaufarbeitung und eine vielschichtige, sachliche, unaufgeregte und informative Darstellung. Wir waren vor Ort, um uns selbst ein Bild zu machen. Um es vorweg zu nehmen: diesem ihr zugeschriebenen Anspruch kann sie nicht gerecht werden.

„Schade, wir finden, dass hier ein sehr interessantes und wichtiges Thema behandelt wurde – leider jedoch sehr tendenziös und wenig reflektiert. (…) Der ironische Unterton, der bereits durch die Banane deutlich wurde, scheint zu sagen, dass Beschneidung ja „nicht so schlimm“ sei… (…) Eine (selbst-)kritische Analyse des Themas, d.h. bspw. auch Vergleich FGM/FGC [Anm.d.Autoren: weibliche Genitalverstümmelung] vs. männliche Beschneidung, Religionsfreiheit und Recht auf körperliche Unversehrtheit wäre schön gewesen. Vielleicht bei der nächsten Ausstellung.“ (Zitat aus dem Gästebuch der Ausstellung)

Leider gleicht „Haut ab!“ eher einer Werbeveranstaltung für Kinderrechtsverletzungen unter tatkräftiger Mithilfe diverser Theologen und Akademiker, die der Ausübung fragwürdiger ritueller Gewaltpraktiken an Kindern generell eine Daseinsberechtigung liefern. Nüchtern betrachtet findet man in den vier Räumen der Ausstellung kaum etwas, was nicht schon bei einer kurzen Google-Suche nach “Beschneidung” auftauchen würde – und dies verblüffend wenige geht kaum über die Präsentation folkloristischer Elemente hinaus.

Der Titel der Ausstellung “Haut ab!” dient keiner fairen Auseinandersetzung, sondern leistet durch seinen pauschalen Antisemitismusvorwurf einer Verunsachlichung der Debatte Vorschub. Des weiteren muss es angesichts des Titels “Haltungen zur rituellen Beschneidung” verwundern, dass medizinische. psychologische und kinderrechtliche Aspekte über eine oberflächliche Erwähnung hinaus keine Berücksichtigung in der Konzeption finden. Ehrlicherweise müsste es “UNSERE Haltungen” heißen, denn die suggerierte inhaltliche Auseinandersetzung mit Grundrechtskonflikten und Perspektiven von Beschneidungsopfern bleiben fast völlig aus.

Das selbst erklärte Ziel der Ausstellung ist es “dem Thema der religiös motivierten Knabenbeschneidung in den drei monotheistischen Religionen Tiefe zu geben (…) und (..) zu zeigen, welchen essentiellen Stellenwert dieses Ritual sowohl für das Judentum als auch für den Islam bis heute hat” (Cilly Kugelmann., Programmdirektorin). Und genau das tut sie dann auch, indem sie ihren Fokus auf religiös-kultisch-mystische Aspekte beschränkt.

Der Rundgang

Eine gleich zu Beginn der Ausstellung präsentierte hinlängst bekannte Weltkarte der WHO von 2007 verzeichnet diejenigen Länder, in denen Vorhautamputationen an männlichen Kindern praktiziert werden. Anhand der prozentualen Rate soll sie als Zeichen weltweiter Akzeptanz des Eingriffs dienen, wobei sich dieses auf ein eher simples “wenn es so viele machen, kann es nicht falsch sein” beschränkt. Dergleichen grob vereinfachende Argumentation wurde schon in der Debatte 2012 vielfach genutzt und bietet so nicht den geringsten Neuwert an Erkenntnissen: schließlich kommen derart hohe Zahlen statistisch nachweisbar nur dadurch zustande, dass Vorhautamputationen Kindern aufgezwungen werden, also in den allermeisten Fällen nicht in mündiger Entscheidung der Person stattfinden, die den Eingriff erdulden und lebenslang die erheblichen Folgen tragen muss.

Diese Weltkarte ist im Hinblick auf die Akzeptanz von Zwangsbeschneidung in etwa so aussagekräftig wie eine Karte mit Kennzeichnung aller diktatorisch regierten Ländern, aus der man schließen würde, wie viele Menschen weltweit gerne unter Gewaltherrschaften leben. Zu einer umfassenderen Information für die AusstellungsbesucherInnen vermisst man auf der Karte den Vermerk jeweiliger Fallzahlen zumindest der Komplikationen, die einen Krankenhausaufenthalt notwendig machen (von Blutungen über Infektionen bis hin zu Fällen, in denen der komplette Penis im Nachhinein amputiert werden musste) sowie die in der Weltpresse dokumentierten Todesfälle.

Das Publikum der Ausstellung erwartet weiter ein buntes Potpourri an folkloristischen Gegenständen. Ein Kissen, Statuen, Gewänder, ein Prinzenkostüm, wie es muslimische Jungen bei den Feierlichkeiten tragen, eine Vielzahl an historischen Beschneidungsinstrumenten und andere Relikte mit entsprechendem Bezug fallen dem Besucher ins Auge. Eine Erläuterung ihrer Bedeutung hingegen kommt zu kurz – wer nicht schon vorher wusste, warum die Jungen als Prinzen auftreten, wird dieses Wissen auch aus der Ausstellung nicht mitnehmen können.

Zu sehen auch ein modernes steriles Einweg-Beschneidungs-Set, das scheinbar alles enthält, was zu einer Beschneidung gehört – vom Messer über Verbände bis hin zu einer Duft-Gewürzmischung für den Segensspruch. Was erst auf den zweiten Blick auffällt ist, dass keinerlei Betäubungsmittel enthalten sind – nicht einmal die rezeptfrei erhältliche EMLA-Creme, die trotz ihrer nachgewiesenen Nichteignung noch von vielen Beschneidern als das Mittel der Wahl angesehen wird, wenn eine Betäubung stattfinden soll.

„I do miss „stances“ – as the title implies. And do agree on having circumcision legal – but oppose it very much- it is mutilation and irreversible. (…) And no info on historic roots in Judaism!“ (“Ich vermisse die “Haltungen”, die der Titel impliziert. Ich stimme einer Legalität der Beschneidung zu – lehne sie jedoch stark ab – es ist eine Verstümmelung und irreversibel. (…) Zudem keine Informationen über die historischen Wurzeln im Judentum!”) (Zitat aus dem Gästebuch der Ausstellung)

Alles in allem bleibt der fade Nachgeschmack, dass hier von der eigentlichen Operation und all ihren möglichen sowie unvermeidlichen Folgen bewusst abgelenkt werden soll, um den Mythos des “kleinen Schnittes” und seiner Harmlosigkeit nicht zu gefährden. Es ist schon bezeichnend, dass die Einträge im Gästebuch und ein Überfliegen der im Museumsbuchladen erhältlichen Literatur (bei der eigentlich nur das Buch von Prof. Matthias Franz „Die Beschneidung von Jungen“ fehlte) mehr Information bieten als die eigentliche Ausstellung.

Überraschung im Medienraum

Im die Ausstellung beschließenden Medienraum bietet sich neben Ausschnitten aus der Bundestagsdebatte und medialen Geschmacklosigkeiten aber schließlich doch eine echte Überraschung: In einem Ausschnitt aus dem Film „Cut“ von Eliyha Ungar-Sargon kann man dann doch noch medizinische Details zur männlichen Vorhaut und den Folgen ihres Verlustes erfahren. Leider wird die hier vorgestellte kontroverse Diskussion nirgendwo aufgegriffen, obwohl sie auch innerhalb des Judentums stattfindet.

Der Katalog

Wer die 25 Euro für den aufwändig gestalteten Katalog zur Ausstellung ausgibt, kann erheblich tiefere Einblicke in die Gedankenwelt derer gewinnen, die die Vorhautamputation an nicht einwilligungs- und urteilsfähigen Jungen so vehement propagieren. Er enthält diverse Essays, die sich dem Thema aus religiös-kultureller Sicht nähern, und offenbart einige Sichtweisen und Interpretationen, die weitaus stärker irritieren als die beschriebene inhaltsarme Ausstellung selbst.

Man versäumt in dem 175 Seiten starken Katalog nicht zu erwähnen, dass 60% aller männlichen Juden in Schweden mit vollständigem Genital leben. Ebenso findet sich die Information, dass es eine Bewegung namens “Jews against circumcision” gibt. Ein Satz über den vehementen Widerstand des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte gegen die Legalisierung der Zwangsbeschneidung wird ebenfalls fallengelassen, und selbst Maimonides’ Ausführungen aus dem 12. Jahrhundert hat man abgedruckt, in denen er den Verlust sexuellen Gefühls ausdrücklich als eines der Ziele der Beschneidung nennt und (wie es auch Ilkılıç noch 900 Jahre später tut) nur den Erhalt der Fortpflanzungsfähigkeit für wichtig erachtet. Doch nichts davon wird erläutert und keiner der Widersprüche aufgegriffen, die sich damit für die Grundaussage der Ausstellung ergeben.

Die genannten Hinweise wirken so beinahe exotisch und als seien sie keine „Haltungen“, auf die es sich lohnte, weiter einzugehen. So bleiben im Ganzen geschätzt zehn isolierte Sätze mit kritischen Angaben eingerahmt von 165 Seiten Forderungen nach Kinderrechtsabschaffung, pauschalen Antisemitismusvorwürfen, ausführlich “begründeten” Mythen und Falschbehauptungen.

Kinderrechte als Zufallsprinzip

Dr. İlhan Ilkılıç, Mediziner und Islamwissenschaftler, verkündet folgendes:

„Die Implikationen des Kindeswohls können nicht universell und kulturinvariant bestimmt werden.(…) …das Kind würde innerhalb seiner eigenen Kultur- und Religionsgemeinschaft Diskriminierungen und Ausgrenzungen erleben.“

Ilkılıç lässt die Möglichkeit außer Acht, dass eine Ausgrenzung und Diskriminierung sich auch auf anderem Wege vermeiden ließe als mit einer zwangsweisen Anpassung des Kindes an die Vorstellungswelt der Erwachsenen. Er stellt sie nicht nur als ein unveränderliches Faktum dar, er verteidigt sie damit auch. So stellt er sich jeglichem Bestreben, Diskriminierungen von Einzelnen und Minderheiten zu beseitigen, diametral entgegen, indem er diese zum schützenswerten Kern der Gemeinschaft erhebt. Die großen Erfolge, die Menschenrechtler in den Vergangenheit zum Beispiel im Bereich der Gleichberechtigung von Frauen und bei der Abschaffung der Apartheid erzielen konnten, wären bei dieser Sichtweise nicht nur nicht möglich gewesen, sie müssten auch als kulturzerstörend interpretiert werden.

„Denn wir haben es hier nicht mit einer lebensgefährlichen Situation eines Kindes zu tun (…)”

Hier geht er sogar noch weiter, indem er den Akzeptanzrahmen auf unfassbare Grenzen erweitert – solange es nicht lebensgefährlich ist, soll es in Ordnung sein.

“Ebenso kann nicht von einer Organschädigung oder der damit verbundenen Organdysfunktion gesprochen werden, wie sie bei der Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen vorkommt. Bekanntermaßen gehört die Beschneidung in manchen Ländern – wie in den Vereinigten Staaten – zu den akzeptierten medizinischen Präventionsmaßnahmen (…) Deswegen ist die Identifizierung dieser Maßnahme mit einem gesundheitlichen Schaden – was in der öffentlichen Diskussion oft unterstellt wird – nicht hinnehmbar.”

Dr. Ilkilic bagatellisiert die möglichen wie unausweichlichen Folgen der Vorhautamputation. Damit widerspricht er gleich mehrfach unter anderem dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), welcher einen gesundheitlichen Schaden durchweg bestätigt und den weitreichenden Verlust sensiblen Gewebes als eine Schädigung ansieht. Gleiches gilt für die behauptete Akzeptanz als medizinische Präventionsmaßnahme – diese ist weltweit nur bei einem einzigen Kinderärzteverband zu finden, der US-amerikanischen AAP.

Die von Ilkılıç angesetzte geringe Schwelle, ab der ein Eingriff unbedenklich sein soll, öffnet unzähligen weiteren Praktiken Tür und Tor. Sofern sich diese von einem chirurgischen Standpunkt aus ohne gravierende Komplikationen ausführen lassen und das betreffende Organ nicht massiv schädigen, sieht er keinen Hinderungsgrund – der Erhalt der Fortpflanzungsfähigkeit ist hier der Maßstab.

Dass diese Kriterien sich problemlos auch auf die Tätowierung von Kleinkindern, Piercings, körperliche Züchtigung und nicht zuletzt auch auf die weniger invasiven Formen der weiblichen Genitalverstümmelung anwenden lassen, scheint ihm dabei entweder nicht aufgegangen oder schlichtweg egal zu sein.

Die UN-Kinderrechtskonvention jedenfalls wäre bei einer Adaption dieser Sichtweise auf ganzer Breite hinfällig.

In eine ähnliche Kerbe schlagen auch Dr. Felicitas Heimann-Jelinek und Dr. Cilly Kugelmann vom Jüdischen Museum:

„Körperliche Eingriffe gehörten jahrtausendelang zum symbolischen Ausdruck von Religionen und haben sich in einigen Regionen der Welt bis heute erhalten. Es gibt Gesellschaften, die traditionell tätowieren, also Ziernarben in den Körper ritzen, die piercen und beschneiden oder andere Körpermanipulationen vornehmen.“

Hier wird der Eingriff alleine über die Dauer seines Bestehens zu rechtfertigen versucht. Eine Differenzierung, in welchem Alter und mit welchem Anteil an Freiwilligkeit des Betroffenen sie durchgeführt werden, bleibt ebenso aus wie die Abgrenzung einer symbolischen Handlung von einem körperlichen Eingriff. Auch hier ist wieder der Tenor zu vernehmen, dass eigentlich alles zu rechtfertigen ist, was es nur lange genug gibt, und auch hier findet sich, wie auch schon bei Ilkılıç, erneut ein fruchtbarer Boden für eine wahre Flut an möglichen Praktiken, die anerkannten Kinderrechten zuwider laufen, was sich nicht zuletzt in der sehr weiten Formulierung “oder andere Körpermanipulationen vornehmen” widerspiegelt.

„Nice historic exhibit, but let´s not pretend it`s unbiased. Circumcision is a Human Rights Issue. Religion, tradition and the desire of parents do not constitute a reason to cut a newborn child.“ (“Nette historische Ausstellung, aber machen wir uns nicht vor, sie wäre unvoreingenommen. Beschneidung ist eine Menschenrechtsfrage. Religion, Tradition und das Begehren der Eltern rechtfertigen es nicht, ein neugeborenes Kind zu beschneiden.”) (Zitat aus dem Gästebuch der Ausstellung)

Liebe und Fürsorge als Freibrief für Gewalt

Dr. Yigal Blumenberg gibt im Katalog seine Sicht der psychologischen Zusammenhänge preis:

“Die Frage nach einer möglichen Traumatisierung des Säuglings ist also eine Frage nach der Stabilität und bergenden Qualität der vom Kind empfundenen und erlebten Bezugspersonen, die die Selbstliebe behüten.” “Daher kommt der inneren Haltung der Eltern, ihrer Identifizierung und die der bei der Beschneidung anwesenden Tradenten eine entscheidende Bedeutung für die seelische Integration dieses Erlebens zu.”

Wenn Eltern also nur stark genug an den angeblichen Nutzen und die Verharmlosungen der dem Kind zugefügten Gewalthandlung glauben und grundsätzlich ihrem Kind Liebe und Fürsorge schenken, wird es dies nicht als Gewalt empfinden.

Wäre also auch z.B. sexueller Kindesmissbrauch weniger traumatisierend, nur weil er, wie so oft, in vertrautem Umfeld geschieht? Warum bleiben die bekannten Fälle ungenannt, wo gerade traumatisierend wirkt, dass der Übergriff in das Intimste aus dem eigenen Umfeld erfolgte und so zusätzlich u.U. lebenslange Loyalitätskonflikte auslöste?

Verstümmelung als Perfektion des Körpers

Auch Dr. Thomas Lentes, Historiker und Theologe an der Universität Münster und Mitglied des dortigen “Exzellenzclusters Religion und Politik”, reiht sich nahtlos in den undifferenzierten Rechtfertigungskanon ein. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk zur Berliner Ausstellung bezeichnet dieser Kritik an kulturellen und religiösen Markierungsriten als uralt und in erster Linie von Ressentiments und Überheblichkeit motiviert, welches es bereits bei den alten Griechen und Römern gegeben habe. Daraufhin spricht er ihr die Objektivität ab – was erstaunt, wo doch alle kulturellen Argumente für eine Beschneidung ebenso alt sind.

Erschreckend ist an diese Stelle die völlige Wahlfreiheit des Dr. Lentes – so erwähnt er in diesem Zusammenhang neben Bemalungen und Tätowierungen auch das Binden der Füße (der sogenannte Lotosfuß), wie es im Kaiserreich China praktiziert wurde. Bei dieser Praxis wurden kleinen Mädchen wiederholt die Fußknochen gebrochen und eng bandagiert, um das Wachstum zu hemmen und einen Klumpfuß zu formen. Diese – heutzutage nicht mehr praktizierte – kulturelle Körpermarkierung sieht er anscheinend als simplen kulturellen Unterschied an, ohne die Folgen für die Mädchen in die Überlegung mit einfliessen zu lassen.

Ähnlich äußerte er sich bereits im Juli 2012 in der Frankfurter Rundschau:

“Erst durch die kulturelle und religiöse Überformung – durch Bekleidung, Tätowierung, Mutilation [Verstümmelungen, Anm. d. Autoren] – wird seine Humanität und die Integration in die kulturelle und religiöse Gruppe vollzogen.” “Wie beim Binden der Füße in asiatischen Kulturen, dem des Kopfes in manchen afrikanischen, der kulturellen Manipulation der Ohren und dem Stechen von Tätowierungen in vielen Kulturen wird auch bei der Beschneidung eines angestrebt: die kulturell-religiöse Perfektionierung des Körpers, und keineswegs dessen Verstümmelung!”

Die Verstümmelung muss also seiner Ansicht nach ausschließlich aus der Perspektive und den Absichten der Erwachsenen heraus beurteilt werden, nicht am Eingriff selbst und dem Leid der betroffenen Kinder. Die Ausnutzung des Machtgefälles zwischen Erwachsenen und Kindern wird hier als probates Mittel der Durchsetzung patriarchalischer Strukturen offensichtlich unhinterfragt hingenommen.

„Bei allem Respekt vor Glaube und Religion, die Ausstellung macht eines deutlich, Beschneidung dient lediglich der Unterwerfung. Schade, mehr Fragen als Antworten.“ (Zitat aus dem Gästebuch der Ausstellung)

Nicht zu übersehen und äußerst bedauerlich ist auch der in den Aussagen der Veranstalter und an mehreren Stellen im Ausstellungskatalog deutlich werdende hilflos wirkende Versuch, der gesellschaftlichen Debatte in Deutschland um eine Legalisierung nicht-therapeutischer Vorhautamputationen im Jahre 2012 nachträglich einen zu großen Teilen antisemitisch motivierten Charakter zu geben. Vermutlich soll auf diese Weise die andauernde Aufklärungsarbeit vieler Kinder-, Frauen- und Menschenrechtler sowie aller pädiatrischer Fachgesellschaften diskreditiert werden. Angesichts der vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte genannten unverändert häufig anzutreffenden Komplikationen und der stetig wachsenden Zahl negativ betroffener Männer, die sich trotz gesetzlich festgelegter Empathieverweigerung trauen, über ihr Leid öffentlich zu berichten, lässt diese Strategie schon realitätsverweigernde Tendenzen erkennen.

Ebenso fehlt eine angemessene Erläuterung alternativer Rituale wie der sich in einigen jüdischen Gemeinden stetig größerer Beliebtheit erfreuenden Brit Shalom, die ohne chirurgischen Eingriff auskommen. Weiterhin wird verschwiegen, dass es im Islam überhaupt keine Verpflichtung im religiösen Sinne zur Vorhautamputation an Minderjährigen gibt, sondern dieses lediglich eine Empfehlung darstellt. Diese Information zumindest hätte man von einer Ausstellung erwarten dürfen, die sich einen religiösen Schwerpunkt auf die Fahnen schreibt. Stattdessen bemüht Ilkılıç den faktisch nicht haltbaren Mythos der Beschneidung als “elementare, unverzichtbare und unersetzliche Pflicht” im Islam. Zumindest in dieser Pauschalität Unwahres wird nicht wahrer, wenn man es mantraartig wiederholt.

Die zu dem Thema in der Zwischenzeit erschienenen kritischen wissenschaftlichen Publikationen bleiben unbehandelt. Eine kinderrechtliche Perspektive findet überhaupt keinen Platz in einer Sammlung über einen Übergriff, der Kindern zugemutet wird. Ihre Schmerzen und ihre Leiden haben in der Welt von Erwachsenen und deren Rechtfertigungskonstrukten keinen Platz.

Wegschauen und Schweigen als Unterrichtsinhalt ?

Dass vom Museum auf diesem Grundkonzept aufbauende Schülerworkshops und Lehrerseminare angeboten werden ist bedenklich. Vor dem Hintergrund dessen, was das Museum den Besuchern anbietet, ist davon auszugehen, dass diese einseitig rituelle und ansonsten völlig unreflektierte Sichtweise ungefiltert in die Schulen getragen werden soll. Zudem ist angesichts der hohen medizinischen, psychologischen, rechtlichen und insbesondere individuell-sexuellen Komplexität der Thematik fraglich, ob eine “Für & Wider”-Abwägung im Schulalter überhaupt schon umfassend möglich ist.

Den Kindern wird dadurch verweigert, eine Sicht auf das Ritual zu entwickeln, welche ein Leiden an dessen Folgen nicht unterdrücken muss. Kritik an der Praxis und Empathie mit den Betroffenen wird frühzeitig mit Schuldgefühlen gegenüber den beschneidenden Communities belegt, fehlendes Mitgefühl, Wegschauen und Schweigen bei dieser Kinderrechtsverletzung nahezu anerzogen.

„Liebes Museum, leider wurde die Ausstellung nur sehr einseitig dargestellt. (…) Mir persönlich fehlt der Bezug zur sexuellen Selbstbestimmung und zur gelebten Sexualität. Welche Auswirkungen hat eine Beschneidung auf das sexuelle Empfinden des Mannes, sowie der Frau.“ (Zitat aus dem Gästebuch der Ausstellung)

Die Ausstellung wolle “um Akzeptanz für das religiöse und kulturelle Ritual der Beschneidung werben”, so die Kuratorin. Ist es nicht etwas zu simpel gedacht zu glauben, dieses Ziel durch Ausschluss aller dies potentiell gefährdenden Perspektiven und der persönlichen Belange der negativ betroffenen Kinder, deren Körper und Rechte auf Selbstbestimmung verletzt werden, erreichen zu können?

Reaktion: Integration auf dem Rücken der Rechte von Kindern

Am Mittwoch, dem 29. Oktober 2014, legte die Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özoguz (SPD), dem Bundestag den 10. Bericht über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland vor. Unter anderem nahm sie darin auch Stellung zum Ende 2012 in Kraft getretenen Beschneidungserlaubnisparagraphen 1631d BGB, der Vorhautamputationen ohne medizinische Indikation an minderjährigen Jungen aus jeglichem Grunde dem Erziehungsrecht der Eltern unterstellt hat. “Die Beauftragte begrüßt den Gesetzestext ausdrücklich. Sie sieht einen wesentlichen Mehrwert der gesetzlichen Regelung in der Beendigung der Verunsicherung durch die Herbeiführung der notwendigen Rechtssicherheit. Die Beauftragte bewertet das Gesetz darüber hinaus als deutliches Bekenntnis der Bundesregierung zur Zugehörigkeit von Menschen jüdischen und muslimischen Glaubens zu Deutschland sowie zu dem Recht auf freie Religionsausübung. Die positiven Reaktionen der Juden und Muslime auf die nun geschaffene Rechtssicherheit versteht sie insoweit als ein wichtiges Signal.” Dies deckt sich mit den ihrerseits bereits im Zuge der Gesetzesverabschiedung gemachten Statements zu diesem Thema. Auch sonst hat sich in der Bewertung des Gesetzes in den vergangenen zwei Jahren bei Frau Özoguz nicht viel getan, obgleich der Bericht durchaus auch bedenkliche Zahlen zitiert: “Uneinheitlich blieben die Aussagen zu den medizinischen Risiken: Lt. dem American Jewish Committee (AJC) etwa sind Fälle schwerwiegender Komplikationen, die sogar zum Tod führen können, wissenschaftlich nicht haltbar. Abweichend davon spricht der o.g. ärztliche Berufsverband (Amn.: Berufsverband der Kinder- und Jugendärtze) von einer Komplikationsrate von immerhin 6%.” Interessant ist hierbei, dass das Gesetz bei den dafür relevanten Kriterien keine Verbesserung, sondern gar Verschlechterungen mit sich bringt: so war die Einhaltung der Regeln der ärztlichen Kunst bei Operationen schon immer bindend, Ausnahmen davon gab es nicht. Diese wurden erst mit dem §1631d BGB eingeführt, der nun auch explizit die Ausführung einer chirurgischen Amputation eines Körperteils durch Nichtmediziner erlaubt. Wie die im Gesetz geforderte vergleichbare Befähigung in diesem Falle auszusehen hat, bleibt im Dunkeln. “In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass der Zentralrat ein Zertifizierungsprogramm für Mohalim (jüdische Beschneider) in Deutschland eingeführt hat, damit definierte Standards (ärztl. Kunst) gewährleistet werden.” Davon sind bisher nur wenige Details an die Öffentlichkeit gedrungen. Bekannt geworden ist, dass dort noch immer bereits als völlig unzureichend anerkannte Schmerzbehandlungen mit dafür nicht zugelassenen Mitteln (EMLA Salbe, Alkohol) empfohlen wurden. So gibt es auch keinerlei Hinweise darauf, dass eine gesetzlich vorgeschriebene ausführliche Aufklärung über zwingende und mögliche akute und lebenslange Schäden durch Vorhautamputationen nach aktuellem medizinischen Forschungsstand erfolgt, in welcher Form diesbezüglich Weiterbildungen erfolgen und wie mit möglichen Interessenskonflikten seitens religiöser Beschneider verfahren wird. Eine staatlich geregelte Kontrolle der Einhaltung der Vorschriften, speziell ausserhalb von Kliniken und Arztpraxen, existiert ebenfalls nicht. Dies wiegt umso schwerer, wenn man bedenkt, dass schon nach kurzer Recherche im Internet aktuelle Anzeigen zu finden sind, die Vorhautamputationen unter ganz offensichtlich nicht fachgerechten Bedingungen bewerben. Auch der Stand der dort vermittelten Aufklärung steht teilweise in krassem Gegensatz zu den gesetzlichen Anforderungen. Es bleibt unverständlich, wie die Bundesbeauftragte das Gesetz begrüßen kann, wenn keine Maßnahmen erkennbar sind, die die von Fachärzten genannten Bedenken und das dokumentierte Leid von Jungen ausräumen könnten. Es dürfte Frau Özoguz bekannt sein, dass der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte bereits mehrfach in Pressemitteilungen auf die unverändert hohen Komplikationsraten hinwies. Insgesamt entsteht bei dieser Bewertung der Eindruck, dass Fragen des Kindeswohls weitgehend Interessen von Erwachsenen untergeordnet werden. Als deutliches Zeichen in diese Richtung weist die Tatsache, dass eine staatliche Erhebung von Daten über die Folgen des Gesetzes für die betroffenen Jungen und eine Evaluation des Gesetzes als solches abgelehnt wurden. Hier wäre ein wichtiger erster Ansatz für eine faktenbasierte Einschätzung des Gesetzes zu suchen. “Bei solcherart vorgenommenen Beschneidungen besteht daher kein Risiko der Bestrafung als Körperverletzung.” Das ist in der Tat richtig. Das Risiko einer Bestrafung dafür, einem Jungen ohne medizinische Indikation die Vorhaut zu amputieren, ist gering: mit der Einordnung der Tat ins Erziehungsrecht der Eltern hat der Gesetzgeber Betroffenen den späteren Klageweg deutlich erschwert. Ein eklatantes Risiko hingegen besteht für den betroffenen Jungen: auf Schmerzen, schwere Loyalitätskonflikte, Störungen in der psychosozialen Entwicklung, auf noch über die Amputation der Vorhaut hinaus gehende Schädigungen und Verletzungen, Traumata und lebenslange Limitierung sexuellen Erlebens. “Außerdem müssen die Eltern den Willen des Kindes, soweit ein solcher schon gebildet werden kann, in ihre Entscheidung über die Beschneidung mit einbeziehen.” Die von der Bundesbeauftragten gepriesene Rechtssicherheit betrifft im Falle von Vorhautamputationen an minderjährigen Jungen einzig und allein die ausführenden Parteien, also Eltern, Ärzte und rituelle Beschneider, nicht hingegen die betroffenen Kinder. Laut Gesetzestext muss deren Wille nicht beachtet, sondern sich nur mit ihm auseinandergesetzt werden – und das auch nur, wenn das Kind bereits in der Lage ist, diesen überhaupt hinreichend zu äußern. In der Praxis bedeutet dies, dass auch ein klares Veto des Kindes der Operation nicht zwingend im Wege steht, solange die Eltern dieses zur Kenntnis nehmen und das Kind daraufhin “überstimmen”. All dies lässt den betroffenen Jungen völlig schutz- und rechtlos zurück. Der Lagebericht ist auch nicht imstande, folgende Widersprüche aufzulösen: Nicht medizinisch notwendige Operationen waren bis zum 12.12.12. grundsätzlich verboten, weil sie nicht dem Kindeswohl entsprechen können. Wie soll dann auf einmal eine medizisch nicht notwendige Vorhautamputation nur “im Einzelfall” nicht dem Kindeswohl dienlich sein, wo der Gesetzgeber dafür längst eine allgemein gültige Regelung getroffen hatte? Gleiches gilt für das Recht auf gewaltfreie Erziehung, das bis zum 12.12.12 uneingeschränkt für alle Kinder bestand. Eine angebliche Sozialadäquanz konnte demzufolge niemals zu einer Aufweichung der grundsätzlichen Einordnung als Verletzung des Kinderrechts führen. Es spielte also keine Rolle mehr, ob eine Ohrfeige nun “üblich” war oder man dies “schon immer so gehandhabt” hatte, ob und in welchem Umfang Studien über Schäden vorlagen und wie groß die Anzahl derer war, die sich davon negativ betroffen fühlten. Im krassen Gegensatz dazu soll nun eine angebliche Sozialadäquanz von Vorhautamputationen an nichteinwilligungsfähigen Jungen in §1631d BGB eine relevante rechtliche Begründung darstellen, eine Körperverletzung zu legalisieren, denn es geht hierbei explizit nur um die Realisierung von Wünschen und Vorstellungen Erwachsener. Die Selbstbestimmungsrechte des Individuums, der Jungen der den Eingriff erdulden muss und lebenslang die Folgen zu tragen hat, werden dabei übergangen. Da es sich um einen irreversiblen Eingriff in die Intimspäre des Menschen mit lebenslangen erheblichen Auswirkungen auf seine Sexualität handelt, verletzt er den Kern der Menschenwürde und die UN-Kinderrechtskonvention. Es bleibt festzustellen, dass das Lob der Bundesbeauftragten für das Beschneidungserlaubnisgesetz nicht auf faktischen Auswertungen beruht, sondern lediglich den von der damaligen Parlamentsmehrheit angestrebten Schlussstrich unter die unangenehme Debatte nachzuziehen versucht. Die in den letzten beiden Jahren erschienenen wissenschaftlichen Publikationen und die immer größere Anzahl von Männern, die sich negativ zu den gravierenden Folgen ihrer Zwangsbeschneidung äußern, bleiben unberücksichtigt. Selbstverständlich war auch Aydan Özoguz zum Wissenschaftlichen Symposium “Genitale Autonomie” eingeladen, das MOGiS e.V. und pro familia NRW am 6. Mai dieses Jahres an der Universität Köln unter Mitwirkung internationaler Fachleute ausgerichtet haben. Leider hat weder Frau Özuguz noch jemand aus ihrem Büro je auf die Einladung reagiert. Das erstaunt insofern, als dass noch im Gesetzgebungsprozess nicht selten beklagt wurde, es stünden zu wenig wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesem Thema zur Verfügung. Der Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V. (der Frau Özoguz bereits im Jahre 2013 persönlich zu diesem Thema ansprach) lädt Frau Özoguz herzlich ein, den aktuellen Stand der Fachdiskussion zum Thema Vorhautamputationen von Jungen zur Kenntnis zu nehmen und in zukünftige Einschätzungen einfließen zu lassen. Önder Özgeday, Mitglied des Facharbeitskreises Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V., kommentierte den Bericht mit folgenden Worten: “Wenn man in Deutschland doch nur stolz wäre auf Kinder- und Menschenrechte! Statt dessen wurden sie in falsch verstandener Toleranz verleugnet und Jungen, natürlich nur Jungen, gegen Verstümmelungen rechtlos gestellt. Auch dies ist irgendwo ein Verbrechen: Grundrechte, Menschenrechte beschließen, aber sie einfach für einige Kinder nicht gewähren! Meine Eltern kamen hierher, um uns ein besseres Leben zu geben. Aber vor sich selbst haben sie mich nicht geschützt und Deutschland zog es vor, wegzuschauen. Und dieser Bericht der Bundesbeauftragten tut es immer noch, zwanzig Jahre später und trotz erdrückender Erkenntnislage in Ethik, Forschung und Wissenschaft, die dazu geführt hatten, Kindern einmal unabhängig vom Geschlecht gleiche Rechte auf körperliche Unversehrtheit zu garantieren. Es heißt oft, Moslems und Juden sollten die Frage von männlicher Genitalverstümmelung unter sich klären. Ist meine körperliche Unversehrtheit in diesem Land also weniger wert, weil ich türkischer Herkunft bin? Dann sind meine Grundrechte also Privatsache des Kulturkreises, aus dem ich stamme, bestenfalls ein Zufallsprodukt – und ihre mögliche Verletzung ein Kollateralschaden “gelungener Integration?”

Even revoking your certificates might not help against #MITM after #heartbleet

So you exchanged your keys and revoked all corresponding Certificates? – Turns out you (and your sites visitors) are still vulnerable to MITM by stolen keys!

At least if your CA (like ours) lets your (and your sites visitors) Browsers cache their Certificate Revokation List (CRL) for up to 7 days.

So even though the Certificate of https://mogis-verein.de:8443 is invalid, your browser will happily tell you it isn’t.

So until the caching timeout for the CRL (that did non contain the revokations for our keys) comes around our site visitors are still vulnerable to MITM by the old (and probably leaked) keys.

Dear Rapid SSL, Thanks – for nothing! At least in this time of crisis you could have shortened the caching time to a few hours, so that certificates get invalidated faster

shitty_revocation

The relevant data:

Certificate Revocation List (CRL):
        Version 2 (0x1)
    Signature Algorithm: sha1WithRSAEncryption
        Issuer: /C=US/O=GeoTrust, Inc./CN=RapidSSL CA
        Last Update: Apr 14 13:03:00 2014 GMT
        Next Update: Apr 24 13:03:00 2014 GMT
        CRL extensions:
            X509v3 Authority Key Identifier: 
                keyid:6B:69:3D:6A:18:42:4A:DD:8F:02:65:39:FD:35:24:86:78:91:16:30

            X509v3 CRL Number: 
                98017
Revoked Certificates:
...
   Serial Number: 0F9083
        Revocation Date: Apr 14 07:30:47 2014 GMT
...
    Serial Number: 11C5EA
        Revocation Date: Apr 14 07:31:29 2014 GMT
...

OpenSSL Exploit, Server-Keys ausgetauscht (Update)

Einigen unserer besonders aufmerksamen Leser ist Heute vielleicht aufgefallen, dass sich außerplanmäßig der Serverkey geändert hat.

Dies wurde notwendig, weil der gerade bekannt gewordenen OpenSSL-Exploit es möglich gemacht hat, dass dieser entwendet werden konnte – ohne dabei Spuren zu hinterlassen [Sogar Spiegel Online berichtete].

Update: Einige unserer Dienste nutzten noch eine verwundbare Version der OpenSSL-Bibliothek, zur Sicherheit haben wir erneut einen Private-Key generiert und ein neues Zertifikat ausstellen lassen.

Unser aktuelles Zertifikat hat jetzt die Seriennummer 1181331 (0x120693) und wurde durch die RapidSSL CA von GeoTrust herausgegeben.

Wenn ihr die Gültigkeit überprüft, dann sollte diese am 10. April 2014 beginnen und am 11. Februar 2015 enden.

Die Fingerprints sind:
SHA-256: D6 9B C3 2B 72 D8 4F 73 A7 35 36 78 19 7A 59 1D E1 6B 9E A3 2C 98 EE A7 26 2E BC 9B FB C0 40 D1
SHA-1: 60 E8 FB 58 A9 DF 1A 9C 74 5D B9 11 BE ED F7 CE 2D D3 29 A9

Unser aktuelles Zertifikat hat jetzt die Serien Nummer 11:C5:EA und wurde durch die RapidSSL CA von GeoTrust herausgegeben.

Wenn ihr die Gültigkeit überprüft, dann sollte diese am 7. April 2014 beginnen und am 11. Februar 2015 enden.

Die Fingerprints sind:
SHA-256: 2F 21 45 90 7E C6 C7 6F F5 7E 48 FB FF C1 87 30 E6 05 4C FF AB 6F D7 19 D2 76 E7 BB 04 57 72 44
SHA-1: 18 91 8F 69 32 BE D8 0E AA CC 4F 49 AB 95 87 BF EA B2 1D 2F

Die Causa Edathy oder die verlogene Debatte um den Schutz der Würde des Kindes

von Christian Bahls

Eigentlich wollte ich Herrn von Notz auf seine letzte Presseerklärung eine persönliche Entgegnung schreiben, halte das aber nicht mehr für zielführend, man bekommt ja regelmäßig auch keine persönliche Antwort zurück.

Er schreibt in seiner Pressemitteilung etwas von der durch die Nacktdarstellung verletzte Würde der abgebildeten Jungen.

Angesichts seines Abstimmungsverhaltens im Deutschen Bundestag ist diese Positionierung schlicht lächerlich – die Abbildungen des entblößen Genitals eines Jungen verletzt dessen Würde, nicht jedoch das rituelle Abtrennen von Teilen desselben?

Herr von Notz reiht sich an dieser Stelle ein bei Herrn Hilgers, auch einem der ganz großen Befürworter des Rechts der Eltern auf Beschneidung ihrer Kinder, dies übrigens in seiner Funktion als Vorsitzender des Kinderschutz- , nicht des Elternrechte-bundes.

Man kann schon froh sein, dass kein Volker Beck um die Ecke schaut um etwas von einvernehmlichen Nackt-Darstellungen von Kindern zu schwadronieren.

Oder um es mit den Worten eines Beschneidungsbetroffenen zu sagen:

An Bosbach und alle anderen sich nun echauffierenden Politiker – nehmen Sie zur Kenntnis: Ich hätte lieber als 7jähriger nackt vor Herrn Edathy Cowboy und Indianer gespielt als mir mein Genital so zurichten zu lassen wie es tatsächlich geschehen ist. Auch wenn ich als Kind natürlich am liebsten ganz ohne eine wie auch immer geartete Verletzung meines Intimbereichs ausgekommen wäre. Aber das ist bei Euch Politikern ja anscheinend nicht vorgesehen. Wer intakt und ohne intime Grenzverletzungen das Erwachsenenalter erreicht, darf seinen Eltern auf Knien danken – aber nicht unseren Politikern, Kirchen und Religionsgemeinschaften oder Herrn Hilgers und seinem Kinderschutzbund. http://beschneidungsforum.de/index.php?page=Thread&postID=27536#post27536

Dem ist nichts weiter hinzuzufügen.

(PS: Um nicht missverstanden zu werden, ist dem anscheinend doch etwas hinzuzufügen: für MOGiS e.V. gibt es keine Konkurenz zwischen Betroffenen verschiedener Eingriffe in die sexuelle Selbstbestimmung. Wir rechnen keine unterschiedlichen Eingriffe in die sexuelle Selbstbestimmung gegeneinander auf. Wir verwehren uns auch dagegen dafür instrumentalisiert zu werden verschiedene Arten von Betroffenheit von sexualisierter Gewalt und sexueller Ausbeutung gegeneinander aufzurechnen bzw. aufzubringen. Jede(r/m) Betroffenen steht es zudem zu die Schwere der eigenen Betroffenheit selbst zu beurteilen und in einen Kontext zu setzen.)

Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung

MOGiS e.V. ruft am “Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung” am 6. Februar zur Unterstützung von Aktionen für Kinderrechte auf

Mitgliederorganisationen des “Netzwerkes INTEGRA zur Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung” stellen ihre Aktivitäten unter folgendem Link vor, um deren Beachtung wir herzlich bitten:

http://www.netzwerk-integra.de/2013/01/28/internationaler-tag-gegen-weibliche-genitalverst%C3%BCmmelung/

TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V. informiert zu “Genitalverstümmelung in Indonesien – Schutz statt Verharmlosung” unter

https://www.frauenrechte.de/online/index.php/themen-und-aktionen/weibliche-genitalverstuemmelung2/unser-engagement/aktivitaeten/6-februar/unterschriftenaktion-fgm

und ruft zu einer Unterschriftensammlung auf, die wir bitten zu unterstützen.

Ähnlich wie in Deutschland bei der Legalisierung nicht-therapeutischer Vorhautamputationen an Jungen geschehen, gibt es in Indonesien politische Bestrebungen, Amputationen der Klitorisvorhaut bei Mädchen unter der Bedingung der Durchführung “nach Regeln der ärztlichen Kunst” zu legalisieren.

MOGiS e.V. protesiert aufs Schärfste gegen diesen weiteren Versuch, Genitalverstümmelungen an Kindern ein angeblich “sauberes Gesicht” zu verleihen.

Kinderrechte dürfen niemals relativiert werden.

Offener Brief: An den Vorstand der Grünen Jugend

Sehr geehrte Mitglieder des Vorstandes der Grünen Jugend!

Mein Name ist Christian Bahls, ich schreibe Ihnen in meiner Funktion als 1. Vorsitzender von MOGiS e.V. – Eine Stimme für Betroffene.

Dieser Verein wurde 2009 von Betroffenen sexuellen Kindesmissbrauchs gegründet und entstammt dem politischen Widerstand gegen Vorratsdatenspeicherung und Internetsperren.

Inzwischen arbeitet MOGiS e.V. – eine Stimme für Betroffene im Bereich Grund- und Menschenrechte insbesondere mit mit Blick auf die Belange von Betroffenen von Eingriffen in die sexuelle Selbstbestimmung.

Die beiden Vorsitzenden von MOGiS e.V. waren im Jahr 2011 Mitglieder des Runden Tisches der Bundesregierung zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in Deutschland.

Ich möchte Ihnen im folgenden (sowie im Anhang) eine Stellungnahme des Facharbeitskreises Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V. zur Kenntnis bringen.

Mit herzlichem Dank für Ihre Aufmerksamkeit und freundlichen Grüßen verbleibt für MOGiS e.V. und den Facharbeitskreis

Christian Bahls, 1. Vorsitzender MOGiS e.V. – Eine Stimme für Betroffene

Weitergeleitet

Betr. 41. Bundeskongress der GRÜNEN JUGEND 1.-3.11.13: beschlossener Antrag zu Kinderrechten http://www.gruene-jugend.de/node/26680

Liebe Theresa, Alexandra, Stefanie, Julia, Katharina, Larissa, Felix, Jan, Christopher und Erik!

Wir schreiben Euch als Mitglieder des Facharbeitskreises Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V., in dem sich Männer organisieren, die von einer im Kindesalter erfolgten Zwangsbeschneidung negativ betroffen sind.

Wir begrüßen sehr, dass die Grüne Jugend bei ihrem Bundeskongress einen Antrag beschloss, der – wie es zunächst scheint – “jegliche Gewalt” ablehnt, “besonders die an Kindern”.

Sehr befremdet hat uns die dort platzierte Fußnote, unter der erläutert wird:

“¹: Explizit wird hier das Thema religiöse Beschneidung von biologisch männlichen Kindern ausgeklammert. Der Antrag hat nicht den Anspruch zu dieser kontroversen Debatte irgendeine Position zu beziehen.”

Nun ist grundsätzlich erfreulich festzustellen, dass die Grüne Jugend im Gegensatz zur Parteispitze der Grünen damit anerkennt, dass es sich bei Zwangsbeschneidungen von nicht einwilligungsfähigen Jungen um einen gewalttätigen Akt von Erwachsenen an Kindern handelt.

Die genaue Bezeichnung “biologisch männlicher Kinder” – um sicherzustellen, dass intersexuelle Kinder von Eurer Ausklammerung nicht erfasst sind – stellt eine in unserer Wahrnehmung sexistische Unterwanderung des zuvor so inständig von Euch beteuerten Rechtes auf körperliche und seelische Unversehrtheit dar.

Laut dieser Eurer Erklärung sind Mädchen und intersexuelle Kinder in ihren Grundrechten schützenswerter als Jungen – und dies offensichtlich, um damit als Grüne Jugend einer “kontroversen Debatte” auszuweichen.

Sind Kinderrechte nur universell gültig, wenn sich der Widerstand dagegen im für die Grüne Jugend überschaubaren Rahmen hält?

Nicht von Eurer Definition berücksichtigt wurde eine große Gruppe von Betroffenen: Viele von uns wurden gar nicht Opfer einer wie Ihr sie nennt “religiösen Beschneidung”. Es geschah aus Tradition, einfach weil man es in unserer Herkunftskultur “so macht”. Und was ist mit den Jungen, denen aufgrund sexualfeindlicher Motive die Vorhaut amputiert wird – weil Eltern es so “schöner” finden oder sie ihren Sohn z.B. an der Masturbation hindern wollen?

Sind auch das für Euch Fälle von Gewalt gegen Kinder, über die Ihr lieber nicht sprecht?

Wir erlauben Euch auf den aktuellen wissenschaftlichen und menschenrechtlichen Diskurs zu diesem Thema hinzuweisen: am 12.12. fand anlässlich des ersten Jahrestages des Gesetzes, das Vorhautamputationen aus jeglichem Grunde erlaubt hat und Jungen damit in dieser Frage lebenslang rechtlos stellt, eine Pressekonferenz im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin statt.

Die Veranstalter waren sieben Kinderrechts- und Ärzteverbänden, darunter neben uns u.a. TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V., (I)NTACT, pro familia Niedersachsen, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, die Deutsche Akademie für Kinder und Jugendmedizin und die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie.

Im Anschluss an dieses Schreiben findet Ihr eine Liste mit Links zu Pressemeldungen dazu.

Weiterhin möchten wir ausführen, dass sich uns der Eindruck aufdrängt, dass Euch nicht klar zu sein scheint, was Ihr mit solchen Aussagen bei Betroffenen auslöst, die ihr Leben lang unter den möglichen schwerwiegenden Folgen einer Zwangsbeschneidung leiden.

Ein wenig erinnert uns Euer Umgang mit diesem Thema an die verbrämte Debatte um sexuellen Kindesmissbrauch und die angebliche Möglichkeit einer Einvernehmlichkeit von Sexualität mit Kindern (insbesondere und auch mit pubertierenden Jungen), die wegen ihrer Hörigkeit gegenüber den Tätern viel zu lange brauchte, um die Rechte der Kinder und das Leid der Betroffenen anzuerkennen.

Wir fordern Euch hiermit auf, Euch – wie es im Grünen Grundsatzprogramm geschrieben steht – für unteilbare Kinder- und Menschenrechte stark zu machen.

Für diese höchst notwendige Debatte stehen wir Euch gerne zur Verfügung.

So würden wir uns sehr freuen, von Euch zu hören.

Mit freundlichen Grüßen!

Alexander Mahmud Bachl – Sprecher Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V.

Önder Özgeday – Mitglied Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V.

Tayfun Aksoy – Mitglied Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V.

Unsere Homepages:

www.die-betroffenen.de

www.mogis-verein.de

Liste von Pressemeldungen zum Jahrestag des Beschneidungsgesetzes:

http://www.dw.de/beschneidungsgesetz-bleibt-umstritten/a-17285492

auf türkisch:

http://www.dw.de/s%C3%BCnnet-yasas%C4%B1-ele%C5%9Ftiriliyor/a-17289459

http://www.taz.de/!129312/

http://hpd.de/node/17409

http://www.focus.de/politik/deutschland/gesundheit-ein-jahr-beschneidungsgesetz-ngos-und-aerzte-ueben-kritik_id_3477928.html

http://www.saarbruecker-zeitung.de/sz-berichte/politik/Aerzte-Beschneidungsgesetz-gescheitert;art2815,5059793

http://www.welt.de/newsticker/news2/article122860433/Verbaende-erklaeren-Beschneidungsgesetz-fuer-gescheitert.html

http://www.augsburger-allgemeine.de/politik/ein-jahr-beschneidungsgesetz-ngos-und-aerzte-ueben-kritik-id28089457.html

http://www.aerztezeitung.de/news/article/851999/beschneidungsgesetz-aerzte-fordern.html

http://www.bundesforum-maenner.de/2013/12/beschneidung-von-jungen-jahrestag-des-beschneidungsgesetzes-am-12-dezember-2013/

http://www.berliner-umschau.de/news.php?id=24036&title=Ein+Jahr+Beschneidungsgesetz%3A+Experten+sehen+v%F6lligen+Fehlschlag&storyid=1001386858411

Broschüre des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte:

“Mann oh Mann – Informationen für Jungen und ihre Eltern, um die Intaktheit des Penis zu bewahren und Krankheiten vorzubeugen”

http://www.kinderaerzte-im-netz.de/bvkj/contentkin/psfile/pdf/27/Bvkj_com_0515d782931fde.pdf

Kritik: KiKA-Sendung “Schau in meine Welt – Tahsins Beschneidungsfest”

Von Victor Schiering und Michael Butscher

Bereits bevor der Film “Tahsins Beschneidungsfest” im KiKA lief, haben Ärzteverbände sowie Kinder- und Menschenrechtsorganisationen, uns eingeschlossen, den Film kritisiert. Dabei wollten wir es natürlich nicht belassen, wir möchten auch sehen, ob der Beitrag wirklich so schlimm war wie befürchtet. Unsere Ansicht: Ja!

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