Die Katholische Kirche als Kinderficker-Sekte zu bezeichnen ist nicht als Gotteslästerung strafbar

Wegen eines Beitrages über Kardinal Meisner in dem Jörg Kantel vom Schockwellenreiter die Katholische Kirche als Kinderficker-Sekte bezeichnete, wurde dieser wegen Beschimpfung von Bekennt­nissen, Religions­­ge­sell­­schaften und Welt­anschauungs­ver­ei­ni­gung­en (aka Gotteslästerung) angezeigt. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat dieses Verfahren dann bis zur Anklage gebracht.

Das Amtsgericht Berlin Tiergarten hat sich nun entschlossen die Eröffnung des Hauptverfahrens abzulehnen, Der Blog-Beitrag sei nicht geeignet, den öffentlichen Frieden zu stören, denn, es gäbe

in der Tat heftige Diskussionen in der Öffentlichkeit zum Thema »Missbrauch in der katholischen Kirche«

und es sei

in diesem Zusammenhang auch durchaus Vertrauen erschüttert worden, insbesondere in die Institution »katholische Kirche«.

Diese Diskussionen und Erschütterungen seien aber

bedingt durch die in den letzten beiden Jahren bekannt gewordenen zahlreichen Fälle von Missbrauchshandlungen von katholischen Geistlichen und anderen Mitarbeitern der katholischen Kirche.

Nach der Aufzählung einiger besonders krasser Fälle aus der letzten Zeit kommt die Richterin dann zu dem Schluß, daß der Blog-Beitrag im Schockwellenreiter nicht geeignet sei, den öffentlichen Frieden zu stören.

Die Staatsanwaltschaft hat eine Woche Zeit, gegen diesen Nichteröffnungsbeschluß anzugehen.

In den Kommentaren drüben im dazugehörigen Beitrag im Law-Blog wird  vielleicht nicht in diesem Zusammenhang nicht ganz zu Unrecht gefragt:

Als was dürfen Odenwaldschule und Hartmut von Hentig bezeichnet werden?

Update: Markus Kompa hat drüben bei Telepolis schon gestern darüber geschrieben, Zitat:

Ausreichend wäre bei § 166 StGB schon die Beschimpfung der Gebräuche einer Religionsgemeinschaft. Und gewisse Gebräuche in Kirchenkreisen hatte der Blogger nun einmal beschimpft.

Aber lest gerne auch den Rest!

7 Responses to Die Katholische Kirche als Kinderficker-Sekte zu bezeichnen ist nicht als Gotteslästerung strafbar

  1. Ein Betroffener

    Also mich erleichtert dieses Urteil.

    Das Nachdenken und das Sprechen mit Betroffenen über den Missbrauch in der Katholischen Kirche kann einen echt verbittern lassen.

    Da ist die Bezeichnung Kinderficker-Sekte nachgerade eine Befreiung für meine Gedanken. Weil es ziemlich genau beschreibt, was da geschehen ist.

  2. Dazu gibt es mehrere Sachen, die mir so spontan ein- bzw auffallen….

    1. Den Begriff “Kinderficker-Sekte” halte ich für unterste Schublade. Sowas ist einfach nur noch (wenn überhaupt) BILD-Niveau. Klar ist ne Menge Scheiße passiert. Aber zur katholischen Kirche fühlen sich immernoch milliarden Menschen mehr oder minder zugehörig. Die alle damit über einen Kamm zu scheren (und etwas anderes macht man damit nicht), halte ich für bedenklich.

    2. Mir ist ehrlich gesagt neu, dass sowas wie Gotteslästerung in den heutigen Zeiten tatsächlich noch strafbar ist. Für mich wäre der Fall bestenfalls Verleumdung. Aber Gotteslästerung? LOL!

    • Christian

      Hallo Name,

      ich muss dazu leider sagen, dass je mehr Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche ich kennenlerne, ich desto weniger Geduld mit der katholischen Kirche habe.

      Was dort in der Vergangenheit gelaufen ist, und in der Gegenwart noch läuft ist schlicht nicht mehr tragbar.

      Die Kirche zeigt da leider auch wenig echte Reformbereitschaft.

      • Tante Jay

        Dann müsste die katholische Kirche Fehler entschuldigen und das läuft – leider – dem eigenen Selbstverständnis zuwider. Die haben ja über 400 Jahre gebraucht, um Galileo Galilei offiziell zu rehabilitieren.

        Dazu kommt, dass die Strukturen den Missbrauch einfach machen. In Obrigkeitssystem ist Missbrauch leichter zu vertuschen.

        Äh, nein, ich mag den Verein auch nicht.

        Gruß Tante Jay

  3. Ich muss sagen, dass ich noch nie Geduld mit der Kirche hatte. Wenn man der Kirche jedoch schaden will, bringt es nichts, diese Diskusion auf BILD-Niveau zu führen…denn die Kirche ist ein Unternehmen, welches sich auf eine jahrtausendlange Geschichte stützt. Will man also der Kirche schaden, so müssen diese Geschichten teil der Geschichte der Kirche werden. Alles andere wird dazu führen, dass die Kirche diese Geschichten einfach aussitzt und dass sich in wenigen Jahren schon kein Schwein mehr dafür interessiert. (und Beleidigungen werden nie Teil der Geschichte)

    • Gabriele

      Hallo Name, niemand hier bei MOGiS will der Kirche schaden. Das tut sie selbst zur Genüge. Und es geht auch nicht um das Niveau, das das Blog Schockenwellenreiter bedient. Uns geht es um eine Darstellung eines Gerichtsentscheides. Aber ich ganz persönlich kann nicht verstehen, wie Menschen noch freiwillig Teil dieser Sekte bleiben können. Grad weil du auf die “jahrtausendlange Geschichte” abstellst: die ist voll von Blutvergießen. Blut klebt an ihren Händen und Blut klebt an ihren Kleidern. Und den massenhaften sexuellen Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen hat das (über die Jahrhunderte wechselnde) Oberhaupt dieser merkwürdigen Organisation sehenden Auges gebilligt. Wer dann trotzdem noch Teil der Religion bleibt, sollte sich mal auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen. Das ist meine ganz persönliche Meinung. Gabriele

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