Monthly Archives: April 2009

In welchem Land wollen Wir leben?

Die Sache mit der Wikileaks Domain hat sich jetzt ja auf äußerst unschöne Art und Weise aufgelöst, inwiefern dieser Artikel noch Belang für die laufende Diskussion hat, mag der geneigte Leser bei der Lektüre entscheiden.

Ja, da hat es jetzt doch über die Feiertage (Donnerstag, 2009-04-09T20:45:24 +0200) die deutsche Domain wikileaks.de erwischt. DENIC, der Betreiber der Toplevel-Domain “.de”, hat, aus bisher nicht näher genannten Gründen, den Eintrag wikileaks.de auf eine Transferseite umgeleitet. (scusi berichtet)

(Update: Der Provider hat wohl kalte Füße bekommen und die Verwaltung der Domain aufgeben, wodurch sie bei DENIC in das Transit-Verfahren gelangte)

Der Inhaber der deutschen Domain wikileaks.de ist Theodor Reppe, der ja letztens unter fadenscheiniger Begründung auch so “nett” Besuch von der Staatsanwaltschaft hatte.

Zur Begründung gab die sächsische Polizei damals, laut der Dokumentation auf Wikileaks, ein Verfahren wegen der “Verbreitung pornographischer Schriften” und das “Auffinden von Beweismitteln” in diesem Verfahren an. (wobei wohl auch versucht wurde Herrn Reppe zur Herausgabe der Passwörter für den Server zu nötigen)

Na gut, da hat also die deutsche Exekutive wahrscheinlich mal Ihre Muskeln spielen lassen und DENIC/den Provider ermutigt einen Vertragsbruch zu begehen. (Wir wissen nämlich nicht wie man das sonst nennt,  wenn jemand seinen vertraglichen Pflichten [Bereitstellung der Domain "wikileaks" unter der ccTLD ".de", Weiterleitung auf die entsprechenden Nameserver], zudem noch ohne Angaben von Gründen, nicht mehr nachkommt.)

(Die hier vorher zitierte Transfer- und Kontaktseite des DENIC haben wir entfernt)

Vielleicht wollen sich ja ein paar von Euch mal mit dem Legal Department von DENIC Ihres Providers kurzschließen, und sich hinsichtlich der Zuverlässigkeit  der Bereitstellung Ihrer eigenen (deutschen) Domains versichern lassen. (kleiner Tip, die “4″ wählen, wenn man durchgekomment ist)

Naja, wikileaks ist solange über die folgenden Domains erreichbar: wikileaks.org, wikileaks.com, wikileaks.org.uk, wikileaks.se, wikileaks.fi, wikileaks.nl, wikileaks.pl, wikileaks.to, wikileaks.eu, oder über tor. (einfach mal direkt bei scusi geklaut :))

Für dejenigen, die sich wundern, was Wikileaks ist, dort findet man “ge-leak-te” Dokumente, wie:

  • die Standard Operating Procedure für das Camp Delta in Guantanamo,
  • der geheime Entwurf für das  ACTA Handelsabkommen (Freiheitsstrafen für das Abfilmen von Kinovorstellungen und ähnlichem),
  • eine Dokumentation darüber, wie der BND den Focus infiltrierte.

Im Moment können wir nur mutmaßen, was die Beweggründe der aktuellen Aktion waren. Es mag sich wieder um die Verbreitung dieser pornographischen Schriften handeln. Führende Kandidaten wären wohl folgende, dankenswerterweise noch über das Internet in Deutschland zur Verfügung stehende Dokumente:

Die Frage, die sich uns bei dieser ganzen Aktion stellt ist folgende:

In welchem Land wollen wir eigentlich Leben?

Da möchten Wir doch auf ein paar rechtsstaatliche Errungenschaften der parlamentarischen Demokratie hinweisen:

  • Das Recht (und die Möglichkeit) der freien Meinungsäußerung
  • Das Recht sich aus öffentlich zugänglichen Quellen zu informieren (zur Definition von öffentlich zugänglich, siehe 1 BvR 46/65 vom 03.10.1969)
  • Das Recht auf ein ordentliches Verfahren. (Wieweit ist es denn jetzt schon gekommen, dass man ohne Gerichtsbeschluss Domains abschalten kann?)

Gerade in Hinsicht auf die kommenden Sperren (dann muss eben nichtmal mehr ein Registrar wie oder DENIC bemüht werden) sollte uns ein solches Verhalten alarmieren.

Wen der sarkastische Unterton dieses Eintrags wundert, der mag sich ja vielleicht vorstellen, wieviel Wut ein solches Verhalten in Uns erzeugt.

viele Grüße

Christian; Vorstand MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren

Menschenbild

Eigentlich ist es schon recht seltsam, welches Menschenbild die Befürworter der Sperren teilweise zu haben scheinen.

Da sollen normale Leute plötzlich pädophil werden, nur weil sie zufällig mal im Internet auf “dokumentierten Missbrauch” stoßen?

Natürlich ist man im christlichen Abendland, mit seinem nicht gerade vom Geiste des Humanismus durchwirkten Gründungsmythos, ‘ne Menge an negativen Menschenbild gewohnt.

Aber einem großen Teil der Bevölkerung eine latent pädophile Neigung unterstellen zu können ist schon außergewöhnlich.

Da fragt man doch, was so bestimmte Leute in Unserer Regierung so tief in Ihrem Unbewussten zu finden befürchten.

Wir möchten hier aber noch auf eine andere Tatsache zurückkommen.

Es scheint wissenschaftlicher Konsens zu sein, dass Pädophilie eine Neigung darstellt, im wesentlich wie Hetero- oder Homosexualität. Sie ist also in der Person integriert und ist als solche nicht mehr zu entfernen. (Für einen etwas tieferen Einblick in die Persönlichkeits- und Argumentationsstruktur solcher Personen bietetet sich die an das scuisblog gesendete Email an.)

Ein Teil der betroffenen Personen findet damit einen gesellschaftlich akzeptierten Umgang, dies ist ganz gut in folgendem Kommentar erkennbar. Um das zu schaffen, gibt es solche Projekte wie: “Kein Täter werden!”.

Andererseits ist eben nicht davon auszugehen, dass Familienväter jetzt anfangen Kinder zu missbrauchen, nur weil sie zufällig mal Irgendwo auf soetwas gestoßen sind (hey, mal ehrlich ist irgendjemand von Euch schon mal zufällig auf solcher Art Material gestoßen?).

Das braucht mehr .. Dazu muss man dem Opfer schon ein Stück weit seine Menschlichkeit und sein Schutzbedürfnis absprechen.

Und natürlich muss eine solche Person die Fähigkeit haben die eigenen Interessen in die Kinder projezieren zu können, wie sonst könnte sie sonst später behaupten, das Kinde hätte das so gewollt und provoziert. (In Bezug auf die Einvernehmlichkeit ist folgendes Posting vielleicht auch für manche Pädophile ganz erhellend.)

Dass dieses ganze Thema unter Sexualität abgehandelt wird, hat sowieso eine ganz schale Note, denn: wenn Dich jemand mit einer Bratpfanne schlägt, nennt man das auch nicht Kochen!

in diesem Sinne

Christian, MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren

Hallo Welt!

Ihr habt gestutzt?

Missbrauchsopfer gegen Internetsperren?

Müsste man nicht gerade als Opfer dafür sein?

Nein. Müssen schon mal gar nicht. Wir haben genug “gemusst”.

Auch gerade deswegen wollen wir uns hier nicht erneut als Galionsfiguren einer schleichenden Einführung einer Internetzensur missbrauchen lassen.

Denn seien wir doch mal ehrlich, da wird doch kein einziges Kind weniger missbraucht, nur weil Frau von der Laien meint ein paar DNS-Namen umbiegen zu müssen.

Dagegen sind die zu erwartenden Einschränkungen der Grundrechte, insbesondere der Rezipientenfreiheit (Artikel 5 GG) und des Fernmeldegeheimnis (Artikel 10 GG) doch erheblich.

Vielleicht sind wir gerade wegen unserer Vorgeschichte sensibilisiert, wir kennen dieses Gefühl, dieses schleichende Eindringen in unsere Privatsphäre, dieses Nachgeben gegen den kontinuierlichen Druck, der Rückzug nach innen, wenn ein Nein nicht fruchtet. Ist es nicht genau das, was die Regierung gerade mit Uns macht?

Eigentlich ist alleine schon der Begriff der “KinderPornographie” fragwürdig. Porno kommt aus dem griechischen und heisst Hure oder Hurer, Graphie, ebenfalls griechisch, heißt darstellen. Üblicherweise geht es also um die Darstellung der Sexualität mit leicht verfügbaren Menschen (und deren Herabwürdigung, dies insbesondere in amerikanischen Pornos, aber das ist ein anderes Thema). Zusätzlich ist die Darstellung und ihre Verbreitung regelmäßig einvernehmlich.

Wo aber bitte kann hier eine Einvernehmlichkeit und Freiwilligkeit herrschen, bei einer solchen Erfahrungs- und Machtdifferenz?

Auch handelt es sich, wie ein Nutzer im lawblog so schön treffend kommentiert nicht um eine szenische Darstellung sondern um die Dokumentation eines realen Geschehens!

Es kann sich doch hierbei nur um die Verbreitung “dokumentierten Kindes-Missbrauchs”handeln. [dank auch an scusiblog für diese Klärung]

Wir würden da auch gerade die Politik um eine etwas vorsichtigere Ausdrucksweise bitten.

Auch verschiebt sich doch bei dieser Sichtweise sofort die Handlungsebene. Da wird also ein Kind missbraucht, und die Politik schaut, demnächst auch dank DNS-Sperren, weg?

Das BKA scheint nicht in der Lage die 20 in Deutschland befindlichen Content-Server beschlagnahmen zu können, soll aber demnächst mit der Pflege einer Zensur-Liste betraut werden?

All dies zeigt uns nur zu deutlich, dass es um eine wirksame Bekämpfung des Missbrauchs an Kindern (und dessen nachträglichen Verbreitung) gar nicht geht!

Und deswegen stehen wir für ein zensurfreies Internet ein, als “MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren”.

Viele Grüße

Christian, Vorstand “MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren”

PS: folgende Artikel sollten vielleicht auch deutlich machen, worum es uns geht:

PPS: Die Interviews im Presse-Rückspiegel liegen Christian am Herzen :)