Daily Archives: 2009/04/16

Interview bei zeit-online

Die zeit-online hat mich rücksichtsvoll interviewed. Vielen Dank nochmals! Das ganze Interview kann man übrigens hier lesen:

Missbrauchsopfer kämpfen gegen Netzsperren“.

Oh, und Artikel darüber gibt es wohl auch hier: “Missbrauchsopfer gegen Netzsperren“, und hier: “Missbrauchsopfer richten sich gegen Netzsperren“. Im WinFuture-Artikel wurden dann auch noch mehr Karten veröffentlicht.

Christian; Vorstand MOGIS

Der Zweck heiligt nicht jedes Mittel!

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Ich denke wir brauchen eine ehrliche Diskussion darüber, dass der Zweck nicht jedes Mittel heiligt. Auch nicht beim Themenkomplex Missbrauch und der Verbreitung seiner Dokumentation!

Denn wo führt die aktuelle Diskussion denn hin? Wollen wir eine “Great Wall of Germany” aufbauen? Denn das ist die letzte Konsequenz aus der Eskalation von “Sperren fortentwickeln” und “Sperren umgehen” !

Auch ist die totalen Sicherheit eine Illusion. Eine Illusion, die einem als Missbrauchsbetroffenen schon früh im Leben geraubt wird.

Das Leben steht letzendlich die ganze Zeit auf Messersschneide. Solche Anlässe wie die aktuelle Diskussion machen uns nur wieder darauf aufmerksam, wie verletzlich wir und unsere Kinder eigentlich die ganze Zeit sind.

Ich finde man sollte auch keine allumfassende Sicherheit suggerieren oder versprechen. Eigentlich müsste es sogar so sein, dass, wenn jemand die totale Sicherheit verspricht,  alle sagen: “Der Kaiser ist ja nackt!”.

Aber keiner traut sich! Denn dieses Thema ist ja auch so unglaublich heikel. Wer will denn schon als Kinderpornograph, Pädophiler oder Sympathisant diffamiert werden?

Genauso wie im Märchen “Des Kaisers neue Kleider”, in dem den Leuten erzählt wird, nur die Unschuldigen würden die Wahrheit sehen: die Kinder.

Die Kinder werden aber gerade genau in der laufenden Diskussion als potentielle Opfer vereinnahmt. Dann lautet aber die Frage: Ja, wer kann sich dann überhaupt noch frei äußern?

Keiner? Außer vielleicht ein paar Wortführern der Sperren im BKA, den entsprechenden Bundesministerien und einigen Lobyisten mit finanziellen Interessen?

Ich traue mich aber trotzdem zu sagen: “Der Kaiser ist ja nackt”.

Denn alles, was jetzt so zu sehen ist, ist doch der Ausdruck einer puren Ohnmacht! Und das ist, was die Politik jetzt mit Ihren Hau-Ruck-Aktionen zu kaschieren versucht.

Das liegt aber auch an uns Bürgern! Solange wir nach 100% Sicherheit verlangen, wird uns diese auch von fragwürdigen Personen versprochen werden!

Können wir nicht lernen, damit zu leben, dass es ein Restrisiko gibt? Wollen wir die totale Kontrolle? Wenn ja, dann soll man das auch so offen und ehrlich sagen.

Denn was soll denn jetzt kommen, nach VorratsDatenSpeicherung (ja auch Ihre Telefonate und SMS werden registriert), dem BKA-Gesetz (wann haben sie das letzte mal in Ihr Computertagebuch geschrieben) und den geplanten DNS-Manipulationen

Wäre es nicht anstatt dieser unglaublich gefährlichen Symbolpolitik angebracht:

  • Den Opfern echte Hilfe anzubieten?
  • die Dunkelziffer bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zu verringern?
  • Die Täter zu verfolgen, anstatt nur der von ihnen verbreiteten Inhalte?
  • Den Pädophilen, die unter Ihren Neigungen leiden, durch Therapie helfen keine Täter zu werden?
  • Kinder stark zu machen, sodass sie gar nicht die Schwachstellen haben, die Täter benutzen um sich Ihnen zu nähern? (Wann haben sie das letzte Mal ein “Nein!” Ihres Kindes ignoriert, sind darüber hinweggegangen und haben es unterworfen?)

Können Wir nicht darüber reden?

Christian; persönlich betroffen

Kommentar zu Staatsanwalt Vogts Zahlenspielen

Die sueddeutsche.de hat mich interviewed.

Im selben Artikel kommt noch der Hallenser Oberstaatsanwalt Peter Vogt zu Wort

Das Datenvolumen, um das es bei den Kinderpornos im Internet geht, ist enorm: Allein in Sachsen-Anhalt warten 41 Terabyte mit 364.000.000 Bildern auf eine Auswertung.

Eigentlich ist es überhaupt eine Frechheit, dass diese Leute mit Ihrer Armut Presse machen können. Dass die überhaupt soviele unausgewertete Rechner mit Daten da stehen haben. Die stehen dort teilweise über 2 Jahre! Und naja was sind 41 Terabyte heute? So circa 80 Rechner, oder?

Sie wissen gar nicht, was da d’rauf ist. Sie vermuten nur!

Das muss man sich mal vorstellen, die argumentieren mit Verdachtsfällen! Man braucht also nur genug Verdachtsfälle. Oh ja .. Operation Himmel hatte ja alleine 12.000 davon.

Deswegen auch die Zahl mit den 364.000.000 Bildern. Die haben einfach das Gesamtvolumen der Medien, die sie beschlagnahmt haben (eine DVD ist immerhin bis 7,95 GigaByte groß) durch eine geschätzte Größe von ca. 120kByte pro Bild dividiert.

So kommt Herr Vogt auf seine Zahlen. Er dokumentiert die Armut der ermittelnden Behörden und kann damit gegenüber der Presse für die Einführung dieser Internetsperren argumentieren.

Schätzungen zufolge gibt es bis zu 450.000 Seiten mit kinderpornografischem Inhalt in Deutschland, die täglich angeklickt werden. In nur zehn Tagen habe eine Seite mit Kinderpornos mehr als 49.000 Klicks gemacht, erzählt Vogt.

Wieder diese 450.000, dazu habe ich hier etwas mehr geschrieben.

Ganz seltsam ist folgende Aussage:

In nur zehn Tagen habe eine Seite mit Kinderpornos mehr als 49.000 Klicks gemacht, erzählt Vogt.

Ersten: diese Seiten machen keine Klicks, Nutzer Klicken, die Seite haben Besucher. Und Zweitens: was wird da gezählt? Die Anzahl der Besucher, Page Impressions, oder jede einzelne Anfrage?  Wenn jede einzelne Anfrage gezählt wird, dann nur für Webseiten oder auch jedes einzelne Bild auf der Seite als eigene Anfrage? – Manche Seiten haben ja hunderte Bilder auf Ihrer Startseite.

Ihm gehen die Sperren deshalb nicht weit genug: “Die User werden darauf hingewiesen, dass das Herunterladen kinderpornografischer Bilder illegal ist”, erklärt Vogt. “Muss dann der Provider nicht solche Straftaten auch melden?” Doch dagegen wehren sich die Internetanbieter bislang.

Die Provider können sowas gar nicht melden, dazu müssten sie den Verkehr der Nutzer überwachen, und das ist zum Glück noch strafbar. Mit den Sperr-Servern (Stop-Seiten) wird sich das ändern. Die Provider werden dann sehen, welche Inhalte nachgefragt werden, wer die Nutzer sind und welche Seiten sie vorher besucht haben (den sogenannten Referer). Diese Seiten werden dann wahrscheinlich, wie in Norwegen auch, irgendwann zu Sperrkandidaten. So wie auch diese Seite .. schliesslich verlinken wir auf wikileaks und die Analyse einer Sperrliste .

Am Ende brauchen wir auch eine ehrliche Diskussion darüber, dass der Zweck eben nicht jedes Mittel heiligt .. nicht, wenn man deswegen “The Great Wall of Germany” aufbauen muss! Denn das ist die letzte Konsequenz aus der Eskalation von Sperren fortentwickeln <-> Sperren umgehen, das Stichwort lautet hier nämlich: Koevolution.

Wollen wir dahin?

Christian; MissbrauchsOpfer gegen Internetsperren

Eine Verfolgung ist möglich!

Einer der Leser des scusiblog‘s, Rochus Wessels, hat sich die Sperrlisten, die nach Serverstandorten analysiert wurden, genommen und die Länder nach juristischer Verfolgbarkeit von dokumentierten Kindesmissbrauch und dessen Verteilung und Verbreitung analysiert:

Eine Verfolgung ist möglich!

Eigentlich ein ganz gutes Komplement zu unserem Artikel: “Möglichkeiten der rechtlichen Verfolgung“.

viele Grüße

Christian; MOGIS